Buchsatbenderher und die Beeinträchtigung des Leseverständnisses

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Warum Buchsatbenderher das Leseverständnis kaum beeinträchtigen

– und wir es trotzdem ganz genau mit der Rechtschreibung nehmen

Ein modernes Handy korrigiert Tippfehler bereits beim Eingeben und zahlreiche Helfer wie der „Duden Mentor“ oder das „Language Tool“ merzen in Texten falsch geschriebene Wörter aus. Darüber legen zahlreiche Untersuchungen die negativen Folgen von Tippfehlern nahe: Beim Kreditantrag und der Job-Bewerbung gelten sie als dicker Minuspunkt. Treten sie in Wohnungsanzeigen auf, lassen sie deren Verfasser in schlechtem Licht erscheinen, wie eine in der Fachzeitschrift „Plos One“ erschienene Studie zeigte. Unter Umständen vergraulen sie sogar einen zukünftigen, möglichen Partner. Das jedenfalls zeigte erst kürzlich eine Untersuchung der niederländischen Tilburg University, in der die Nutzer einer Dating-Plattform die Attraktivität ihres virtuellen Gegenübers anhand dessen Nachrichten beurteilen mussten.

Das Interessante daran: Wenn es allein um die Lesbarkeit geht, sind Tippfehler oft gar nicht so schlimm wie gedacht – vor allem, wenn es sich bei ihnen um einen Buchstabendreher handelt. Schon 1976 bewies der Engländer Grahm Rawlinson in einer Dissertation, dass ein Wort trotz falscher Buchstabenreihenfolge genauso gut lesbar ist wie mit richtiger, zumindest so lange der Anfangs- und der Endbuchstaben noch stimmen. Klenie Kostrpobe geflälig? Dazu kommt, wie geläufig das jeweilige Wort dem Leser ist und wie viele Buchstaben es überhaupt besitzt.

Denn je mehr Buchstaben ein Wort hat und je mehr davon an der falschen Stelle stehen, desto unübersichtlicher wird das Ganze natürlich. Auch der Kontext spielt eine wichtige Rolle. Oft lässt der Zusammenhang oder der Satzbau den Leser bereits erahnen, welches Wort als Nächstes kommen müsste. Und: Je geübter der Leser ist, desto weniger wird ein Buchstabendreher seinen Lesefluss bremsen.

Warum das Ganze überhaupt funktioniert, lässt sich am ehesten mit dem Prinzip der Mustererkennung erklären. Diese Fähigkeit ermöglicht es dem Menschen, die auf ihn einprasselnde Flut von Sinneswahrnehmungen zu filtern und zu ordnen. In der Wahrnehmungspsychologie geht man davon aus, dass dieses Ordnen mithilfe von zwei verschiedenen Vorgängen funktioniert: Erstens analysiert das Gehirn das jeweilige Wort anhand seiner Zusammensetzung und stellt zum Beispiel fest, welche Länge und welchen Anfangs- bzw. Endbuchstaben es besitzt. Zweitens vergleicht das Gehirn das jeweilige Objekt – in diesem Fall ein Wort, eine Wortfolge oder einen Satz – mit bereits bekannten Objekten.

Insbesondere bei geübten Lesern erfasst das Gehirn auf diese Weise weniger einzelne Buchstaben und stattdessen vielmehr komplette Wörter und Wortgruppen. Meist sind diese Wörter und Wortgruppen dabei als optischer Anblick inklusive Bedeutung abgespeichert und lassen sich so leicht abrufen – selbst mit Tippfehlern oder weggelassenen Vokalen. Eine wnderbare Sahce eigntlch.

Wer hätte das gedacht?

Wir von der Lecking Werbeagentur legen trotzdem Wert auf korrekte Rechtschreibung, selbst wenn Tippfehler und Co. das Leseverständnis meist kaum beeinträchtigen. Denn die eingangs erwähnten Studien zeigen auch, warum Verfasser von inkorrekten Texten weniger kompetent oder attraktiv wirken als andere: Das liegt daran, dass man als Leser oft automatisch das Gefühl hat, es hier mit jemand Unachtsamen oder gar Ungebildeten zu tun zu haben – und dass dieser Jemand dadurch weniger glaub- und vertrauenswürdig erscheint.